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Miriam Zegrer:
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"Jahresblatt der Wimperntiere und Mehrzeller",
Ausgabe 2004
Zeitschrift zur Betrachtung verborgener Lebensformen von Mensch
und Getier
Publikation in zwei Sprachen (deutsch/französisch) und zwei
Farben mit zahlreichen Abbildungen
Handdruck im Offset- und Siebdruckverfahren auf Werkdruckpapier
Das Jahresblatt 2004 beschäftigt sich mit der Expedition Tiefsee
- Themen sind u.a. die Nixenjagd, pathologische Tiefseefunde und
eingemachte Weichtiere.
Format: 47 x 32,5 cm (zugeklappt), 11 Seiten
Auflage: 100
Die ersten 10 Exemplare (Vorzugsausgabe) sind nummeriert und signiert,
ihnen liegt eine zweifarbige Originalradierung mit dem Titel "Repertoire
der angewandten Tiefseeforschung" bei.
Preis Standardausgabe: 30 €
Preis Vorzugsausgabe mit Originalradierung: 130 €

Originalradierung mit dem Titel "Repertoire
der angewandten Tiefseeforschung":

Aus dem Inhalt:
"Menschliche Topographie
und Beschaffenheit des Meeresbodens"
Die Unterwasserwelt erlaubt eine Reihe von Identifikationen.
Eine Expedition in die Tiefe der Ozeane gleicht in gewisser Weise
einer Reise ins Innere des Menschen: Das Meer atmet, die Fauna und
Flora dieser pulsierenden Wassermassen scheint von ähnlichen
Beschäftigungen beseelt zu sein wie unsere inneren Organe,
das Bestiarum der Tiefsee mimt/grimassiert unsere un-bewussten und
verborgenen Dramen. Die submarine Landschaft entspricht der menschlichen
Topographie auf so erstaunliche Art und Weise, dass wir hier versuchen
werden, eine kleine Anatomielektion aus ozeanographischer Sicht
zu entwerfen.
Mund, Augen und Geschlechtsorgane wären
sozusagen die Küstengegenden, an denen das Meer sich unermüdlich
im Rhythmus der Gezeiten hebt und senkt, in meterhoher Brandung
gegen Felsen donnert oder sanft auf schneeweißen Strand plätschert.
Wir aber verlassen die Küsten und tauchen - der folgende Teil
ist dem Festland noch stark verwandt, aber schon durchdrungen von
der still pumpenden Rhythmik einer Tierwelt auf der Schwelle zur
pflanzlichen Ordnung (anatomisch gesehen befinden wir uns im Leibesinneren
mit seinen unermüdlichen organischen Vorgängen). Fällt
dann das Land noch ein Stückchen weiter jäh und steil
ab in die großen Tiefen der Ozeane, beginnt eine sehr spezifische,
einzigartige Topographie...
Ins Dunkel getaucht und bewohnt von unberechenbaren Lebewesen hat
sie trotz allem etwas Vertrautes. Sie verhält sich zum Festland
wie eine Urlandschaft, eine verborgene Karte. Was hier formuliert
ist, wiederholt sich in variierter Form immer und immer wieder auf
der Suche nach Resonanzen.
Sie nachzuzeichnen wäre beschwerlich, um nicht zu sagen unmöglich.
Vergnüglicher ist es, sich als Landstreicher in die Kartographie
des Menschen zu begeben - seine Schlupfwinkel aufzuspüren,
seine Trampelpfade, sein weites Feld und sein Dickicht, sein bestelltes
Land und seine Wildernis. Inkognito und leichten Schrittes im Land
eines anderen umherzustreifen, an seinem Wegrand zu rasten, aus
seinem Bündel zu speisen, von uns selbst befreit, ganz und
gar Vagabund. Berauschen wir uns an der fremden Luft, dem neuen
Horizont, oder, ozeanographisch formuliert, lassen wir uns treiben
wie die Posthörnchen. Betrachten wir staunend die vorüberziehenden
Geschöpfe, bis irgendwann, schleichend, die Umgebung wieder
vertraute Formen annimmt, uns ein seltsam familiär dreinblickender
Busch überrascht, die heimische Vegetation uns nach und nach
wieder umschlingt und in gewohnter Weise umzingelt.
Wir sind also wieder zuhause, aber halten wir auf der Zungenspitze
den salzigen Geschmack unseres Abstechers, seien wir etwas mehr
Tourist in den eigenen Breiten.
(Aus: "Jahresblatt der Wimperntiere und Mehrzeller", Miriam
Zegrer 2004)
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