Der Holzschnitt - Geschichte und Technik
Prinzip
Der Holzschnitt beruht auf dem Verfahren, nicht
zu druckende Teile aus der Druckplatte herauszuschneiden. Zum Druck
wird Farbe auf die bleibenden erhobenen Teile im reliefartigen Block
aufgetragen und dieser mit einem Papier abgerieben oder durch die
Presse gezogen, wodurch ein seitenverkehrter Abdruck entsteht. Dieses
Prinzip, auf dem auch andere Drucktechniken wie Linolschnitt und
Holzstich beruhen, wird Hochdruck genannt.

Geschichte
Ursprung in China
Der Holzschnitt ist eine der ältesten Drucktechniken.
Die Anfänge dazu liegen im Gebrauch von geschnittenen und geformten
Stempeln und Siegeln. Die Grundbedingung für die Entwicklung
des Holzschnitts war aber die Entwicklung des Papiers, die auf das
Jahr 105 n. Chr. in China datiert wird. Als erste Drucktechnik entstand
dort vermutlich die Steinabreibung: mit Kalligraphien eingravierte
Steine wurden mit einem feuchten Papier und Tusche abgerieben.
In der Folge oder parallel dazu entwickelte sich der Holzschnitt.
Das erste klar datierbare chinesische Holzschnittbuch, das Diamant-Sutra
aus Dunhuang, das auf 868 datiert ist, ist technisch so weit entwickelt,
dass auf eine weitaus frühere eigentliche Entstehung des Holzschnitts
geschlossen werden muss. Stark beeinflusst von China war in Japan
770 der Druck der "Dharanis", buddhistischer Gebete, in
Auflagenhöhe von einer Million beendet worden, wobei unklar
ist, ob es sich bei den Druckplatten um Holzblöcke handelte.
Insgesamt wurde der Holzschnitt in den ersten Jahrhunderten in China
ausschließlich zur Weiterverbreitung buddhistischer Texte
und Amulette genutzt.
Europa
In Europa kam der Holzschnitt weitaus später
auf. Das Bedrucken von Stoff mit einer hölzernen Matrix war
zwar seit vielen Jahrhunderten üblich, aber erst mit der beginnenden
Papierproduktion in Papiermühlen in den 1390ern war die Bedingung
für den Holzschnitt geschaffen.
Die ersten Holzschnitte waren Einblattdrucke: Bilder von Heiligen,
die in der Not angerufen wurden und deren Anblick Schutz bot. Sie
wurden in Buchdeckel eingeklebt oder an die Zimmerwand gepinnt,
teilweise wurden ganze Türen und Zimmerdecken so beklebt. Diese
frühen Drucke wurden mit einem Reiber handgedruckt und teilweise
durch sog. Briefmaler mithilfe von Schablonen koloriert, wobei darauf
geachtet wurde, dass die Linie sichtbar blieb. Stilistisch beginnt
der Holzschnitt in Europa am Ende der hohen Gotik. Zu dieser Zeit
war der Sinn für die spirituelle Linienzeichnung sehr ausgeprägt,
die Linie war das gängige Ausdrucksmittel. Daher steht der
Linienschnitt am Anfang und nicht der Flächenholzschnitt, der
erst gegen 1900 aufkam. Die Schwarzlotzeichnung der farbigen gotischen
Glasfenster ist den ersten Holzschnitten stilistisch sehr nah und
scheint wie eine Vorbereitung auf diesen.
Auf die Einblattdrucke folgten die Blockbücher, mit dem Reiber
gedruckte, auf den Rückseiten zusammengeklebte und zu einem
Buch gebündelte in Holz geschnittene bildliche Darstellungen,
deren Text zunächst handschriftlich eingetragen, dann eingeschnitten
wurde. Beliebte Themen der Blockbücher waren die Biblia Pauperum/Armenbibel,
der Totentanz oder Planetenbücher.
Mit der Erfindung der Typografie um 1440 überlebte sich das
Blockbuch.Text und Bild wurden getrennt, und das Verhältnis
von Bild und Text kehrte sich um - war im Blockbuch das Bild primär,
so war es jetzt der Text. Gedruckt wurde von nun an mithilfe von
Druckpressen, wobei die Holzstöcke der Höhe der Bleilettern
angepasst wurden.
Um 1500 erlebte der Holzschnitt als Buchillustration eine Blüte,
deren Zentrum Deutschland (Augsburg, Ulm, Nürnberg) und die
Niederlande waren. Eines der wichtigsten Werke dieser Zeit ist die
"Schedelsche Weltchronik", die mit 2000 Holzschnitten
illustriert ist. Gedruckt wurde sie von rund 100 Gesellen an 24
Druckpressen in Nürnberg. Zu dieser Zeit war eine Arbeitsteilung
zwischen Zeichner, Schneider und Drucker üblich. Urheber der
Entwürfe blieben oft anonym, und nur einzelne Künstlerpersönlichkeiten
taten sich hervor.
Erst mit Albrecht Dürer (1471-1528) aus Nürnberg erreichte
der Holzschnitt eine neue Ebene und wandelte sich zur Kunstform.
Seine großen Holzschnitt-Folgen, allen voran die "Apokalypse"
mit ihren monumentalen und dramatischen Kompositionen, brachten
ihm durch ihre Eindringlichkeit viel Ruhm ein und dem Holzschnitt
eine neue Bedeutung.
Im 17. Jahrhundert entwickelten sich Kupferstich und Radierung zu
den gebräuchlichsten Drucktechniken in ganz Europa und der
Holzschnitt wurde verdrängt, bis er mit der Erfindung der Lithographie
und später der Photographie noch mehr an ökonomischer
Bedeutung verlor. Damit wurde er vor allem künstlerisches Ausdrucksmittel.
Einen starken Impuls auf diesen Aspekt des Holzschnitts im Westen
hatte die Öffnung von Japan im Jahr 1867 und die daraus folgende
Veröffentlichung der japanischen Farbholzschnitte, die Künstler
wie Gauguin, Munch und van Gogh beeinflusste. Einen besonderen Stellenwert
hatte der Holzschnitt auch am Anfang des 20. Jahrhunderts für
die deutschen Expressionisten der "Brücke".
Technik
Holz
Für den Holzschnitt eignen sich vielerlei Hölzer.
Besonders geeignet für feine detailreiche Entwürfe sind
die harten feingemaserten Hölzer von Obstbäumen wie Kirsche
und Birne. Leichter zu schneiden sind weichere Hölzer wie Linde
oder Erle. Die Maserung des Holzes kann, abhängig von der Drucktechnik,
im Druck sichtbar sein.
Transfer des Entwurfs
Der Entwurf kann entweder direkt auf den Holzblock
gezeichnet oder mit Kohlepapier übertragen werden.
Nach asiatischer Tradition wird der Entwurf, der sich als schwarz-weiße
Linienzeichnung auf einem dünnen Papier befindet, mit der Vorderseite
auf den Holzblock geklebt. Die Papierfasern auf der Rückseite
des Blatts werden abgerieben, bis sich nur noch die Zeichnung auf
dem Block befindet.
Schneiden
Zum Schneiden stehen verschiedene Schnitzwerkzeuge
zur Verwendung wie Linienmesser, Flach- und Hohleisen, Geißfüße,
sowie heute außerdem diverse Maschinen. Je detailreicher,
desto weniger tief muss geschnitten werden.
Zwischendurch müssen die Schnitzwerkzeuge regelmäßig
geschärft werden.
Die japanische Schneidetechnik mit dem hangi-to wie auch
der Gebrauch des chinesischen quan dao ermöglicht
höchste Genauigkeit.
Druck
Zum Drucken des Holzschnitts wird im Westen Ölfarbe
mit einer Walze in einer dünnen Schicht gleichmäßig
aufgerollt. Auf den eingefärbten Druckstock wird das Papier
gelegt und mit einer Presse (Kniehebel-, Andruck- oder Walzenpresse)
gedruckt oder mit der Hand mithilfe eines Löffels oder anderen
Reibewerkzeugs abgerieben.
Im japanischen Holzschnitt wird zum Druck Wasserfarbe
auf den Druckstock gebracht und mit einem voluminösen Druckpinsel
mit Reispaste zu einem gleichmäßigen Film vermischt.
Ein angefeuchtetes Papier wird auf dem Stock in Passmarken positioniert
und mit dem baren, dem japanischen Reiber, abgerieben.
Im chinesischen Holzschnitt wird mit Wasserfarbe,
aber ohne Reispaste auf trockenes Papier gedruckt.
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Copyright Eva Pietzcker und Miriam Zegrer |