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Kunst

Der chinesische Volkskunst-Holzschnitt - nien-hua

Eine alte Funktion des chinesischen Holzschnitts ist der Druck von Neujahrsdrucken, nien-hua. Sie wurden alljährlich zum Neujahrsfest neu gekauft und an Türen, Wänden und Fenstern angeklebt. Sie zeigen symbolische Motive, Götter, Helden und Gestalten aus Sagen oder Opern und bringen Segen wie Glück, Reichtum und Kinder. Sie sollen außerdem Kinder zu Wohlverhalten und Nationalstolz anregen.

Die Drucke unterscheiden sich dabei in der Bedeutung. Besonders wichtig waren Drucke zum Aufkleben an der Außentür, men-shen, mit einem Paar Helden, die für Sicherheit und Reichtum sorgen. Wichtig war außerdem ein Druck vom Küchengott, der über dem Herd aufgehängt wurde. Ansonsten wurden je nach Geschmack weitere Drucke aufgehängt, vor allem in Zimmern, in denen man sich trifft, weniger in Schlafzimmern. Es gibt außerdem Drucke zu speziellen Zwecken, wie z. B. bei Babywunsch von jungen Frauen.

Gedruckte Neujahrsbilder tauchten erstmals in der Song-Periode im 11. Jahrhundert auf, vielleicht auch früher. Die Drucke waren zunächst schwarz-weiss, wurden dann hand-koloriert und ab Mitte des 17. Jahrhunderts von mehreren Platten gedruckt. Die archaisch wirkenden, stark graphischen Motive sind somit sehr alt und werden seit Jahrhunderten kopiert. Mit der aus dem Westen gekommenen Lithographie wurde die Holzschnitt-Technik Anfang des 20. Jahrhunderts verdrängt. Während der Kulturrevolution wurden zahlreiche alte Blöcke zerstört.

Heute werden diese Drucke auch im Siebdruck gefertigt, die Herstellung im Holzschnitt ist weiter zurückgegangen. Verändert haben sich beim Druck im Holzschnitt vor allem die Farben aufgrund anderer Materialien. Die Drucke werden weniger an die Tür geklebt, wo sie kaputtgehen können. Sie sind heute unter Akademikern und Künstlern beliebt und werden gerne gesammelt oder als Geschenk gekauft und gerahmt aufgehängt.

Ich stelle hier die Holzschnitte und Arbeitsweise des Holzschnitt-Meisters Zhang Jing Xu aus der Stadt Zhu Xian in Hunan vor. Seit 40 Jahren arbeitet er an Holzschnitten, als vierte Generation seiner Schule Tian Yi De (Himmel, gute Freundschaft, Kraft), die sein Sohn als fünfte Generation weiterführen wird.


Links oben das Logo der Schule: Tian Yi De


Einige Drucke und ihre Bedeutung

Dieses Bild zeigt die Brüder Guan Sheng und Guang Yu. Guang Yu (160 – 219) war General unter dem späteren König Liu Bei während der späten Ost-Han Periode im Übergang zur Periode der drei Reiche San Guo. Er wirkte maßgeblich mit am Sieg des Landes Shu. Aufgrund seiner Loyalität und Tapferkeit wurde er als gottähnlich verehrt. Er ist sehr beliebt und gilt als Bringer von Sicherheit und Reichtum.


Dieses Bild stammt aus der Tang-Periode (618 - 906) und zeigt Zhong Kui, der an der Nationalen Beamtenprüfung mit Auszeichnung teilnahm, jedoch aufgrund seiner Hässlichkeit vom Kaiser abgelehnt wurde, woraufhin er Selbstmord beging. Gott hatte Mitleid mit ihm und machte ihn zum für die Geisterjagd verantwortlichen Beamten. Die kleinen Gestalten im Bild sind seine Geister-Diener.


Die Legende zur Entstehung der Neujahrs-Türbilder

Dieses Bild aus der Tang-Periode (618 - 906) stellt die sehr beliebten Generäle Qin Qiong aus Shandong und Jing De aus Shanxi dar. Sie standen jede Nacht als Wache vor dem Schlafzimmer des Kaisers, Li Shi Min. Weil sie unglücklich waren darüber, dass sie nicht schlafen konnten, hängte der Kaiser schließlich zwei Bilder von ihnen an die Tür.
Gemalte Neujahrs-Türbilder waren allerdings schon in der Han-Periode (206 vor Chr. - 220 n. Chr.) bekannt.


Dieser Holzschnitt zeigt den Kampf der zwei Generäle Zhao Kuang Ying (links) und Yang Gun. Yang Gun gewann den Kampf und stieß seinen Gegner vom Pferd. Plötzlich hatte er eine Ahnung, dass dieser der neue Kaiser werden würde und er beschloss, ihn nicht zu töten. Stattdessen tauschte er seine schwere Waffe aus Kupfer gegen dessen wertvollen Gürtel. Später wurde Zhao Kuang Ying als Kaiser der Begründer der Sung-Periode und Yang Gun dessen General.


Dieses Bild zeigt den Küchengott.



Technik

Die Holzschnitte werden beidseitig in Birnenblöcke geschnitten. Verwendet wird ein spitzes, in einem Holzgriff steckendes Linienmesser für die Aussenkanten der erhabenen Stellen. Das restliche Holz wird ausschließlich mit flachen Stechbeiteln und der Hilfe eines Hammers entlang der Maserung entfernt.

Zum Druck werden sämtliche zu bedruckenden Papiere zwischen zwei Holzstäbe geklemmt, die in einer Vorrichtung liegen, die es ermöglicht, sie zu drehen. So haben alle Papiere den gleichen Abstand zum Block.

Der Holzblock wird mit Steinen auf die Höhe der Papiere gebracht. Mit der Hand wird die richtige Lage des Blocks durch das Papier erfühlt und dieser mit vier gefalteten Papieren fixiert.

Der Block wird mit einem großen Pinsel eingefärbt. Dieser Pinsel besteht aus einem dichten Inneren aus Palmfasern und darüber aus einer Schicht Grasfasern. Er kann ungefähr ein Jahr verwendet werden.

Nach Geheimrezepten werden Farben aus Pflanzen gemischt. heute werden auch chemische Farben verwendet.

Gedruckt wird mit einem selbst hergestellten Reiber aus Palmenfasern, die über einen Holzkern gezogen sind und nach zehn Tagen ausgetauscht werden müssen.

Wenn der Block eingefärbt ist, wird das nächste Papier straff über den Block gespannt, mit dem Reiber abgerieben und danach zur Seite gezogen. Mit diesem System können bis zu 100 Bögen bedruckt werden.

 

Ich danke Zhang Jing Xu und seinem Sohn für das Gespräch.

Jingdezhen, China, 2009

 

 


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