Radierung
Radierung
Radierung Holzschnitt Siebdruck
Radierung
Geschichte und Technik         Acrylgründe         Photopolymerfilm         Photogravure
Radierung
Radierung Radierung
Radierung Radierung Radierung Radierung Radierung Radierung Radierung Radierung Radierung Radierung Radierung
 

Radierung

Die Radierung ist ein Tiefdruckverfahren, was bedeutet, dass die tiefer liegenden Bereiche einer Druckplatte gedruckt werden. Diese werden mit einer Nadel oder einem Stichel in die Platte gekratzt bzw. geschnitten, oder mit der Hilfe von Säure in die Platte geätzt. Zum Druck wird die Platte mit Farbe eingerieben und mit einem gazeartigen Tuch wieder blankgewischt, wobei die Farbe in den Vertiefungen bleibt. Die eingefärbte Platte wird mit einem angefeuchteten Papier bedeckt durch die Presse gezogen, wobei das Papier die Farbe in den Vertiefungen aufnimmt und ein seitenverkehrter Abdruck entsteht.
Die Radierung ist nur eine Technik der Tiefdruckverfahren, zu denen auch der Kupferstich und Mezzotinto gehören. Streng genommen wird mit Radierung die Technik der Linienätzung bezeichnet, inzwischen steht dieser Begriff aber für diverse Techniken dieser Gattung.

Geschichte

Die Entwicklung der Radierung ist gleichermaßen verbunden mit der Entstehung von Papiermühlen im 15. Jahrhundert und der Arbeit von Gold- und Waffenschmieden. Das Schneiden und Gravieren von Metall sowie das Einfärben der Vertiefungen waren lange bekannt und wurden möglicher Weise zum Festhalten von Entwürfen kombiniert mit dem Abreiben auf Papier. Von dort war es nur ein kurzer Schritt zum Gebrauch der Technik als einem künstlerischen Mittel der Vervielfältigung.

Die ersten Tiefdrucke waren Kupferstiche und entstanden vermutlich in den 1430ern. Beim Kupferstich werden die zu druckenden Linien mit Sticheln aus Stahl aus der Platte regelrecht herausgehoben. Der Tiefdruck entwickelte sich somit einige Jahrzehnte nach dem Holzschnitt, was daran lag, dass er um einiges komplizierter war als der Holzschnitt, der sich außerdem aus dem schon länger bekannten Schnitt von Stempeln entwickelt hatte. Anders als dieser wandte er sich eher an Aristokraten, was auch an der aufwendigeren Herstellung lag. Im Vergleich mit dem Holzschnitt waren die Motive des Kupferstichs, vor allem in Italien, weitaus weltlicher.

Der frühe Kupferstich im deutschen Sprachraum entwickelte sich in der südwestlichen Ecke Deutschlands und in der Schweiz. Die damaligen Kupferstecher waren vermutlich Goldschmiede, deren Namen nicht mehr bekannt sind. Erste herausragende Stiche schufen der "Meister der Spielkarten", dessen Hauptwerk ein Kartenspiel ist, und der Meister E. S, neben vielen anderen. Mit der Zeit arbeiteten aber auch Künstler in dieser Technik, wie z. B. Martin Schongauer. Die Motive jener Arbeiten waren sowohl religiöser als auch auch weltlicher Art. Bedeutende Stecher in den Niederlanden waren Hendrik Goltzius und Lucas van Leyden.
Während sich die deutschen Künstler bei einem höheren technischen Standart stilistisch mehr an das Mittelalter anlehnten, entwickelten die italienischen Künstler der Renaissance wie Andrea Mantegna und Maso Finiguerra weitaus freiere Drucke.

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kam die Technik der Kaltnadelradierung auf: das direkte Einritzen von Linien in die Platte mit Hilfe einer spitzen Nadel. Als erste Drucke dieser Technik gelten die Drucke des "Meisters des Hausbuchs", der zwischen 1465 und 1500 in Deutschland arbeitete.
Da der dabei sich aufwerfende Grat auf der Platte beim Drucken schnell wieder niedergedrückt wurde und nur wenige Abzüge gedruckt werden konnten, wurde diese Technik von vielen Künstlern vor allem zum Überarbeiten von geschnittenen oder geätzten Platten verwendet.

Wie im Holzschnitt, kommt auch im Kupferstich Albrecht Dürer (1471-1528) aus Nürnberg eine besondere Bedeutung zu. Durch seine Italienreisen mit den italienischen Stichen der Renaissance vertraut, schuf er Drucke, die diese Technik auf eine völlig neue Stufe hoben.
Er arbeitete vorübergehend auch in einer damals neuen Technik, der Ätz-Radierung, die sich Ende des 15. Jahrhunderts entwickelte. Sie ermöglichte ein weitaus spontaneres Arbeiten, da Linien nicht mehr in langwieriger Arbeit in die Platte geschnitten oder gekratzt werden mussten, sondern in eine auf der Druckplatte befindliche dünne Wachsschicht gezeichnet wurden. Die Platte wurde daraufhin in ein Säurebad gelegt, in dem die freigelegten Stellen zersetzt und damit vertieft wurden. Die Radierung wurde oft auch mit dem Stich kombiniert. Erste Künstler, die damit arbeiteten, waren der Schweizer Urs Graf und Daniel Hopfer aus Augsburg.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Ätz-Radierung als künstlerisches Ausdrucksmittel von Malern und Graphikern wie Rembrandt und Claude Lorrain oder später Tiepolo und Piranesi ausgeübt, während der Stich mehr zum Kopieren von bestehenden Kunstwerken, zur Illustration von Büchern und Herstellung von Landkarten genutzt wurde. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Flächenätzung, Aquatinta genannt, entwickelt und damit die Möglichkeit, gleichmäßige Flächen von Grauwerten zu erzeugen. Sie wurde allerdings erst im 18. Jahrhundert allgemein bekannt. Ein Meister der Aquatinta war Francisco Goya, der als Hofmaler am spanischen Königshof dessen Kehrseite in seinen "Caprichos" ausdrückte.

Mit der Erfindung der Photographie und Lithographie verlor der Tiefdruck an Bedeutung. Die Radierung entwickelte sich zur unabhängigen Kunstform, die auch deswegen beliebt war, weil sie das Sammeln von Kunst zu erschwinglichen Preisen ermöglichte. Sie wurde von vielen Künstlern ausgeübt wie z.B. im 19. Jahrhundert von den Künstlern der französichen "Barbizon Schule", im 20. Jahrhundert von Käthe Kollwitz und den deutschen Expressionisten, Picasso und vielen anderen.

Technik

Kupferstich

Mit Grabsticheln aus gehärtetem Stahl und von verschiedenen Querschnitten werden Linien in die Platte geschnitten. Der dabei entstehende Grat wird später mit einem Schaber entfernt.

Kaltnadel

Die Kaltnadel ist die einfachste und direkteste Zeichentechnik im Tiefdruck. Mit einer spitzen Nadel aus Stahl wird die Zeichnung direkt in eine Metallplatte geritzt. Dadurch entsteht eine Vertiefung mit einem Grad. Beim Einfärben der Platte bleibt Farbe nicht nur in der Vertiefung, sondern auch am Grat hängen, wodurch die gedruckte Linie einen spezifischen weichen und tiefen Charakter hat.

Radierung, Linienätzung oder Hartgrund

Dazu wird die Platte mit einer Wachs- oder Lackschicht überzogen. In diese Schicht wird mit einer spitzen Nadel hineingezeichnet, wodurch das Metall freigelegt wird. Im Säurebad zersetzt die Säure diese freigelegten Stellen, wobei Vertiefungen entstehen. Es ergeben sich, abhängig von der Ätzdauer, der Art der Säure und des benutzten Abdeckmediums, mehr oder weniger feine Linien.

Weichgrund oder Vernis Mou

Hier wird die Platte mit einem speziellen Wachs beschichtet, welches nicht härtet, sondern weich bleibt. Auf die beschichtete Platte wird ein dünnes Papier gelegt, auf das mit verschiedenen Zeichengeräten (Bleistifte verschiedener Härten, Kreiden, Kugelschreiber etc.) und durch darauf gelegte Materialien wie Stoff, gezeichnet werden kann. Das Wachs bleibt an der Rückseite des Papiers kleben, wodurch das Kupfer freigelegt wird. Die bearbeitete Platte wird im Säurebad geätzt und kann nach dem Entfernen des Wachses gedruckt werden. Die Charakteristika der verwendeten Zeichenmittel zeigen sich deutlich.

Aquatinta oder Flächenätzung

Zur Ätzung von Flächen mit Grautönen wird auf die Platte ein säurefestes Raster aufgebracht. In der traditionellen Radierung wird die Platte wird dazu mit einem feinen Korn aus Asphalt- oder Harzstaub bestäubt. Das Bestäuben geschieht mit der Hand oder in einem sog. Staubkasten, in dem sich der Staub befindet. Der Staub wird in Bewegung versetzt und die Platte in den Kasten gelegt, bis sich der Staub niedergelegt hat. Die bestäubte Platte wird von unten erhitzt, wodurch der Staub anschmilzt und in gehärtetem Zustand säurefest wird. Das Aquatintakorn kann auch aufgesprüht werden.
Im Säurebad schützt das säurefeste Korn die Platte vor der Ätzung. Es wird so zwischen den Körnern in die Tiefe geätzt. Je nach Länge der Ätzzeit ergeben sich verschiedene Vertiefungsstufen, die verschieden viel Farbe aufnehmen und im Druck einen entsprechend tiefen Ton ergeben. Um diese verschiedenen Stufen zu ätzen, werden zwischen den Ätzgängen die Stellen, die nicht länger ätzen, d.h. im Druck nicht dunkler werden sollen, mit einem Lack abgedeckt.

Miriam Zegrer, "Anatomischer Drache", Radierung (Weichgrund und Aquatinta), 20 x 32 cm, 2000

Blindätzung

Wenn offenliegende Flächen einer Platte geätzt werden, ohne dass ein Aquatintakorn aufgebracht wurde, wird die Platte an diesen Stellen gleichmäßig dünner. Wenn sie zum Druck eingefärbt wird, bleibt die Farbe beim Auswischen nur an den Kanten dieser Flächen hängen, was im Druck keine Flächen, sondern Linien ergibt.

Eva Pietzcker, Kaltnadel mit Aquatinta, 33 x 40 cm, 2000

 

Zum Seitenanfang


Copyright Eva Pietzcker und Miriam Zegrer